Glossar

Kleines Lexikon: Physio-Latein

Damit Du als Pferdebesitzer eine bessere Vorstellung davon bekommst, mit welchen Begrifflichkeiten und Bedeutungen Du es bei meiner Arbeit zu tun hast, gibt es hier eine kleine Sammlung.

Ganz wichtig: In diesem kleinen Lexikon, versuche ich, Dir so einfach wie möglich ein paar kurze Antworten zu liefern, daher kann hier kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. Details gerne persönlich oder aus entsprechender Literatur.

Verschiedene Techniken greifen in der Lehre der Pferdephysiotherapie ineinander und sind nicht immer trennscharf abzugrenzen.

Aber auch was den Pferdekörper angeht: Die einzelnen Körperregionen, Körpergewebe und Körperteile sollten nie nur einzeln betrachtet werden. Wie so oft gilt auf allen Ebenen: Die Übergänge sind fließend. Und - ja, klingt abgedroschen - aber: Das Ganze ist tatsächlich noch viel mehr als die Summe seiner Teile.

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Das Aufwärmen im Training spielt insofern eine große Rolle, als dass durch entsprechende Übungen die Körpertemperatur um rund 2 Grad ansteigt und die Stoffwechselprozesse zunehmen. Die Flexibilität der Muskulatur nimmt zu, ebenso wie die Dehnfähigkeit (bis zu 240 Prozent!), damit sinkt die Verspannungs- und Verletzungsanfälligkeit. Auch Bandapparat sowie Sehnen (Dehnfähigkeit plus 5 Prozent) und Knorpelbereiche werden vorbereitet. Der Stoffwechsel innerhalb der Gelenkkapseln wird angekurbelt, einwirkende Kräfte von Bewegung und Stößen werden so besser aufgefangen. Darum mindestens 20 Minuten Aufwärmen: Nach etwa fünf Minuten Bewegung in einem Gelenk vermehrt sich nachweislich die Gelenkflüssigkeit - erst nach 20 Minuten endet dieser Prozess.

Mit "Bocken" bezeichnen Pferdebesitzerinnen meist eine Art von Widersetzlichkeiten bei ihrem Pferd - in der Regel die, wo der Hintern des Pferdes in die Luft geschleudert wird, mit mehr oder weniger starker Drehung/Rotation der Wirbelsäule und mehr oder weniger starkem Auskeilen des Pferdes. Bocken wird von Pferdeleuten sehr individuell wahrgenommen und gedeutet (natürlich auch davon abhängig, ob frau gerade auf dem Pferderücken sitzt oder am Boden daneben steht). In jedem Fall kann man davon ausgehen, dass Bocken eine Aussage des Pferdes ist. Das kann jedoch von "Mir tut was weh!" bis hin zu "Juhuu, ein Galopprennen mit meinem besten Kumpel!" alles sein. Hier gilt es, die Körpersprache und Mimik des Pferdes sehr genau zu lesen, um herauszufinden, ob Schmerz und Blockaden dahinter stecken können.

Blockaden können durch muskuläre (Fehl-)Spannung entstehen, aber auch durch äußere Einwirkung (Schlag, Stoß, Sturz o.ä.). Eine Blockade ist eine Bewegungseinschränkung (an einer bestimmten Stelle im Körper), aber allein die Bezeichnung "Blockade" sagt nichts darüber aus, ob sie rein muskulär existiert ("Verspannung") oder auch zwischen zwei Knochen - also an einem Gelenk - manifestiert ist. Oft resultiert das eine aus dem anderen.

Faszien umhüllen Muskeln, Muskelgruppen und ganze Körperregionen. Auch innerhalb eines Muskels findest Du Faszienfasern. Sie sehen aus wie halbtransparente Tücher in Weiß, von Fasern durchzogen. Interessant ist, dass sie stark mit dem Muskelfleisch interagieren, aber auch mit sämtlichen Flüssigkeiten und Nährstoffen. Bewege ich Faszien, habe ich auch Einfluss auf die darin oder darunter liegenden Muskeln. Verklebte Faszien lassen auch die Muskeln nicht mehr richtig arbeiten.

Mit dem früher viel verwendeten Begriff "Bindegewebe" - der auch und vor allem Faszien meint - kannst Du vielleicht mehr anfangen, was die Vorstellung davon angeht.

Der Lange Rückenmuskel ("musculus longissimus dorsi") ist der längste Muskel im Pferdekörper. Er bildet beim gerittenen Pferd nun mal einen Großteil der Sitz- bzw. Sattelfläche, da er rechts und links neben der "Kette" der Dornfortsätze der Wirbelsäule verläuft. Als Bewegungsmuskel ist er verantwortlich für ein- und beidseitige Streckung des Rückens. Er bringt das Pferd also sozusagen ins "Hohlkreuz", wenn er beidseitig angespannt wird und hilft bei einseitiger Anspannung, das Pferd zu biegen.

Dauerspannung in diesem Muskel ist ein "Festhalten im Rücken" und führt in der Regel auch zu einer hohen Kopfhaltung, Herausdrücken des Unterhalses, Vorschieben des Brustbeins und einem scheinbar dicken Bauch. Dann kann Dein Pferd nicht mehr "über den Rücken" gehen und zeigt zudem wenig Hinterhandaktivität. Ursachen gibt es viele: Ein unkoordinierter oder zu schwerer Reiter, ein unpassender Sattel, allgemeine Asymmetrie im Körper oder auch die Tatsache, dass Dein Pferd nie richtig gelernt, mit gutem Training der Tragemuskulatur seinen langen Rückenmuskel beweglich und locker zu halten.

Auch, wenn der Muskel oft und schnell anfällig für Verspannungen ist - weil so oberflächlich und dem Reitergewicht direkt ausgesetzt - ist er aus den gleichen Gründen auch sehr gut positiv durch Massagen etc. zu beeinflussen.

Das Schmerzgesicht eines Pferdes wird oft erst erkannt, wenn die Augen klein und teilnahmslos, die Lippen verkniffen und die Ohren desinteressiert nach seitlich-hinten geklappt (in sich hineinhorchend) sind. Tatsächlich geht es aber mit situationsbedingten "Sorgenfalten" ums Auge und auch mal einem dauerhaft hochgezogenen Nüsternrand los. Je besser Du Pferde - und insbesondere natürlich Dein Pferd - beobachtest, desto feiner wirst Du die Unterschiede wahrnehmen.

Meine Erfahrung zeigt: Bei stark schmerzgezeichneten Pferden verändert sich der Gesichtsausdruck eines Pferdes meist während einer physiotherapeutischen Behandlung - und bei nachhaltiger Veränderung des Managements dieses Pferdes dann auch langfristig. Der Blick wird klarer, aufmerksamer.

Die Stresspunktmassage (nach Jack Meagher) ist eine Massagetechnik an definierten Punkten, die in der Regel einen Muskel-Sehnen-Übergang kennzeichnen. Mit deutlichem Druck an diesem Punkt kann durch Nutzen der Funktion des sog. Golgi-Sehnenorgans eine Entspannungsreaktion eines verspannten bzw. verkürzten Muskels hervorgerufen werden. Weitere rhythmische Massage verbessert an den entsprechenden Stellen zusätzlich die Durchblutung sowie den Abtransport von Schlackenstoffen, die aus der Verspannung entstanden sind.

Ist ein Pferd sehr "trageschwach" oder leidet bereits an einer kompletten Trageerschöpfung, zeigt sich das in der Regel durch vermehrte Bewegungsunlust des Pferdes oder übermäßige Empfindlichkeit - beides zurückzuführen auf Schmerzen bei bestimmten Bewegungen oder Berührungen.

Sicht- und tastbare Symptome einer Trageerschöpfung sind häufig diese: Verkürzter Hals, rückständige Vorderbeine unter den Körper geschoben, Brustbein nach vorne/unten geschoben, fester Rücken, eingesunkener Widerrist, schwach bemuskelte Kruppe, aber oft deutlich ausgeprägte Lange Sitzbeinmuskulatur.

Die Ursachen können sehr verschieden sein, treten immer in Kombination auf und reichen vom unpassenden Sattel über den unpassenden Reiter (zu schwer, zu unausbalanciert) und Übergewicht des Pferde bis hin zu unzureichendem und/oder unausgewogenem Training (häufig). Mehr dazu, verständlich aufbereitet, findest Du im Artikel von Viktoria Portugal auf einfachreiten.com.

Eine Verspannung bezeichnet eine mehr oder weniger verkürzte, überbeanspruchte, möglicherweise auch verhärtete und meistens schmerzhafte oder zumindest berührungsempfindliche Muskelpartie im Körper Deines Pferdes. Der Begriff wird umgangssprachlich genutzt und lässt an sich keine klare Definition des akuten Muskelzustands zu, allerdings ist die Ursache einer Verspannung immer eine (wie auch immer begründete) Fehlbelastung der Muskulatur(-Kette) und die Folgen sind mindestens: verklebte Faszien, Empfindlichkeit, mittelfristig Schmerzen und möglicherweise knöcherne Blockaden. Langfristig kann aus einer Dauerverspannung sogar eine Trageerschöpfung entstehen.

Widersetzlichkeiten zählen zu den Äußerungen eines Pferdes, "Nein" zu sagen. Dies kann aufgrund von Schmerzen oder auch Furcht (bzw. negativen Erfahrungen in ähnlichen Situationen und daraus resultierender Angst) geschehen. Zu den häufig erlebten Widersetzlichkeiten gehört die Flucht (Wegrennen, schnelles Rückwärtstreten), das Bocken, Steigen und wird erklärt mit dem natürlichen Verhalten eines Pferdes in Reaktion auf wahrgenommene Gefahr: "Fight or Flight" - wobei das Pferd, sofern es kann, immer zuerst die Flucht wählt.

...findest Du hier nach und nach.

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